Interim Manager: Einsatz als Projektleiter oder Linienmanager?

© Jörg Kleinschmidt/ pixelio.de

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Standortverlagerung. Effizienzsteigerung. Prozessoptimierung. Kostensenkung & Co. – Projekte, Projekte, Projekte. Übernimmt der Interim Manager das Projekt oder aber das Tagesgeschäft?

Projekte im Rahmen der Supply Chain Management-Optimierung

Die Liste möglicher Projekte im Supply Chain Management ist lang. Die Optimierungsansätze reichen von A, wie Auftragsabwicklung bis Z, wie Zentralisierung. Dazwischen liegen die Klassiker, wie Effizienzsteigerung in der Produktion, Kostensenkung in der Beschaffung, Prozessoptimierung in der Logistik oder eine komplette Standortverlagerung mit allen Funktionen.

Alles Themen, die i.d.R. eine 100%-ige Führung und Steuerung durch einen erfahrenen und umsetzungsstarken Projektmanager bedürfen. Parallel dazu muss selbstverständlich auch (noch) das Tagesgeschäft sichergestellt werden.

Da die Projekte temporär angelegt sind, bietet sich der Einsatz eines Interim Managers an, der das Unternehmen nach Beendigung des Projektes wieder verlässt. Die zentrale Fragestellung ist dann: Übernimmt der Interim Manager das Projekt oder aber das Tagesgeschäft?

Interim Manager als Projektmanager oder Linienmanager?

Die Antwort auf diese Frage hängt von der Gesamtkonstellation sowie einer Vielzahl von einzelnen Anforderungen und Zielsetzungen ab. Das entscheidende Argument ist letztlich die Antwort auf die Frage: Welche Qualifikationen haben die vorhandenen Manager – und welche Qualifikationen fehlen?

Oft sind die vorhandenen Führungskräfte exzellente Manager für das Tagesgeschäft. Die Routinen werden blind erfüllt, die KPIs stets mit Bestnoten erfüllt. Auch identifizieren sie im Sinne eines KVP-Prozesses laufend inkrementale Verbesserungen, die konsequent angegangen und umgesetzt werden. Aber ein großes Restrukturierungsprojekt? Umfassende Prozessinnovationen und Organisationsänderungen? Kreative Lösungen? Keine Erfahrungswerte!
Liegt es in diesem Fall nicht offensichtlich auf der Hand, dass ein erfahrener Interim Manager die richtige Person für das Projektmanagement ist?

Mit einer Restrukturierung oder einer umfangreichen Optimierung wird allerdings das zukünftige Tagesgeschäft (neu) definiert. Wenn alle Neuerungen umgesetzt sind, braucht es wieder jemanden, der die (neuen) Prozesse und Strukturen permanent sicherstellt. Und sollte das nicht der bisherige exzellente Manager für das Tagesgeschäft sein? Sollte er sich nicht „sein neues Nest“ am Besten selbst bauen?
Liegt es in diesem Fall nicht offensichtlich auf der Hand, dass ein erfahrener Interim Manager das Tagesgeschäft als Linienmanager sicherstellen und dem jetzigen und zukünftigen Verantwortlichen während des Projektes den Rücken freihalten sollte?

In der unternehmerischen Praxis gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen, um sowohl das Projekt als auch das Tagesgeschäft durch den Einsatz von Interim Managern sicherzustellen. Hierzu zwei Beispiele zum Thema Standortverlagerung aus der Food-Industrie.

Interim Manager als Projektmanager

Durch den Wegfall eines Hauptkunden war ein Unternehmen der Food-Industrie gezwungen, seine Standortstruktur der vier unterschiedlich großen Werke neu zu definieren. Die operative Führung oblag drei Werkleitern.

Alle drei Werkleiter waren auf dem gleichen Qualifikationslevel und sollten auch in der neuen Struktur eine tragende Rolle spielen. Für das Projekt wurde daher ein Interim Manager als Projektmanager gesucht, der insbesondere die folgenden drei Kriterien erfüllen sollte:

  1. Stratege! – Suche nach einem erfahrenen Strategen, der bereits neue Standortstrategien und -strukturen erfolgreich entwickelt und umgesetzt hat
  2. Führungsstark! – Gezielte Suche nach einem Leader, um die Ideen und Interessen von Top-Management und den drei Werkleitern „zu bündeln“
  3. Experte im Food-Segment! – Suche nach einem Food-Experten, um die Spezifika des Segmentes berücksichtigen zu können

Gefunden wurde ein erfahrener, führungsstarker Produktionsleiter aus einem verwandten Food-Segment, der über ein ausgeprägtes Strategie-Know-how aus vergleichbaren Aufgabenstellungen verfügte.

Interim Manager als Linienmanager

Durch die Ausgliederung der deutschen Werke musste ein Unternehmen der Food-Industrie auf Basis der neuen Eigenständigkeit sowie eines neu definierten Produkt- und Kundenportfolios eine optimierte Standortstrategie und -struktur entwickeln. An dem größten Standort wurde darüber hinaus in eine neue Linie investiert, die in der Projektlaufzeit in Betrieb genommen werden sollte.

Der bis dahin für das größte deutsche Werk zuständige Leiter sollte als Projektmanager eingesetzt werden. Für das Tagesgeschäft an dem Standort wurde ein Interim Manager als Linienmanager gesucht, der insbesondere die folgenden drei Kriterien erfüllen sollte:

  1. Branchenfremd! – Gezielte Suche außerhalb der Branche, um „dumme Fragen stellen zu können“ und gleichzeitig „frischen Wind“ in die Produktion zu bringen
  2. Teamorientiert! – Suche nach hoher Sozialkompetenz, um die „zweite Reihe“ während der Abwesenheit des alten und neuen „Chefs“ zu motivieren
  3. Inbetriebnahme-erfahren! – Suche nach Erfahrungen im Anlauf von neuen Linien, um die erfolgskritische Neuinvestition „ans Laufen zu bringen“

Gefunden wurde ein erfahrener Werkleiter aus der Automobilindustrie, der bereits einige neue Produktions-Linien in Betrieb genommen hatte. Wesentlich bei der Auswahl des Kandidaten war die Beteiligung und Zustimmung des Projektmanagers/Werkleiters, um die „Chemie“ zwischen allen (!) Beteiligten sowie eine optimale laufende Abstimmung zwischen Tagesgeschäft und Projekt sicherzustellen.

Interim Supply Chain Management – Es kommt auf den Einzelfall an!

Es gibt eine Vielzahl von Lösungen, um die beste Konstellation „beim Nestbau“ situationsspezifisch zu finden. Beide Ansätze – Interim Manager als Projektmanager oder als Linienmanager für das Tagesgeschäft – können erfolgreich sein. Es kommt auf den Einzelfall an!

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