Was kostet ein Interim Manager?

29.06.2026 | Management allgemein, Beliebte Beiträge

Interview mit Natascha Puttins,
Managing Partner

 

„Der ROI von Interim Management ist enorm – wenn man es richtig einsetzt.“
Natascha Puttins, Managing Partner bei Aurum Interim


Frau Puttins, viele Unternehmen fragen zuerst: Was kostet ein Interim Manager?

Das ist verständlich. Interim Management wird häufig zuerst über den Tagessatz bewertet. Der liegt je nach Rolle, Erfahrung und Aufgabe meist im vierstelligen Bereich. Für erfahrene Führungskräfte, Projektmanager oder Spezialisten bewegen sich Tagessätze häufig zwischen etwa 1.000 und 1.500 Euro. Bei C-Level-Rollen, Restrukturierung, Transformation oder sehr spezialisierten Mandaten können sie auch darüber liegen.

Wichtig ist aber: Der Tagessatz allein sagt wenig darüber aus, ob ein Mandat teuer oder wirtschaftlich sinnvoll ist.

Warum nicht?

Weil Interim Management keine klassische Personalbesetzung ist. Unternehmen kaufen nicht nur Arbeitszeit ein, sondern Erfahrung, Geschwindigkeit und Umsetzungskraft für eine konkrete Situation.

Ein Interim Manager muss nicht eingearbeitet werden wie eine neue Führungskraft. Er oder sie kommt mit vergleichbarer Erfahrung, übernimmt Verantwortung und ist meist sehr schnell wirksam. Deshalb sollte man die Kosten immer ins Verhältnis setzen: Was kostet es, wenn eine Schlüsselposition unbesetzt bleibt? Wenn ein Projekt stockt? Wenn Entscheidungen liegen bleiben? Wenn ein Turnaround nicht vorankommt?

In vielen Fällen sind die Opportunitätskosten deutlich höher als das Honorar.

Was bedeutet das konkret für den ROI?

Der ROI von Interim Management ist enorm – wenn man es richtig einsetzt.

Damit meine ich: Interim Management lohnt sich besonders dann, wenn es um eine konkrete Aufgabe mit hoher Relevanz geht. Zum Beispiel um Liquiditätssicherung, Restrukturierung, Post-Merger-Integration, eine vakante CFO- oder COO-Position, ein kritisches Transformationsprojekt oder operative Engpässe in Finance, Operations, HR oder IT.

Wenn ein Interim Manager in wenigen Wochen Transparenz schafft, Entscheidungen vorbereitet, Teams entlastet oder ein Projekt wieder in die Umsetzung bringt, entsteht der Mehrwert nicht erst am Ende des Mandats. Er entsteht oft schon sehr früh.

Wie wird Interim Management normalerweise abgerechnet?

In der Regel wird auf Tagessatzbasis abgerechnet. Das heißt: Das Unternehmen zahlt nur die tatsächlich geleisteten Einsatztage. Je nach Mandat kann ein Interim Manager fünf Tage pro Woche im Unternehmen sein oder auch nur an bestimmten Tagen eingesetzt werden.

Zusätzlich können Reisekosten oder Spesen anfallen, wenn Präsenz vor Ort notwendig ist. Diese Punkte werden vor Mandatsbeginn transparent geregelt.

Gibt es eine Mindestlaufzeit?

Das hängt vom Mandat ab. Manche Einsätze dauern wenige Monate, andere laufen sechs, neun oder zwölf Monate. Entscheidend ist nicht die Dauer an sich, sondern die Aufgabenstellung.

Eine Vakanzüberbrückung kann enden, sobald eine Festbesetzung startet. Ein Transformations- oder Restrukturierungsmandat braucht dagegen oft mehr Zeit, weil Ergebnisse nicht nur geplant, sondern operativ umgesetzt werden müssen.

Warum wirkt Interim Management auf den ersten Blick oft teuer?

Weil Unternehmen den Tagessatz manchmal mit einem Monatsgehalt vergleichen. Das greift aber zu kurz.

Bei einer Festanstellung entstehen zusätzlich Arbeitgeberkosten, Bonusregelungen, Recruiting-Aufwand, Onboarding-Zeit, Kündigungsfristen und langfristige Bindung. Beim Interim Management zahlen Unternehmen für einen klar abgegrenzten Zeitraum und eine konkrete Leistung.

Außerdem wird keine dauerhafte Stelle geschaffen. Das ist gerade in Sondersituationen wichtig, wenn der Bedarf dringend, aber nicht dauerhaft ist.

Wann ist Interim Management wirtschaftlich besonders sinnvoll?

Interim Management ist wirtschaftlich besonders sinnvoll, wenn Unternehmen für einen klar definierten Zeitraum zusätzliche Managementkapazität brauchen.

Das kann kurzfristig sein, etwa bei einer Vakanz, einer Restrukturierung oder einem kritischen Projekt. Es kann aber auch bewusst strategisch geplant sein: zum Beispiel für eine Transformation, eine Post-Merger-Integration, den Aufbau neuer Strukturen oder eine Phase, in der spezielles Know-how nur temporär benötigt wird.

Der wirtschaftliche Vorteil liegt dann nicht nur in der schnellen Verfügbarkeit. Er liegt auch darin, dass Unternehmen genau die Erfahrung einkaufen, die sie für eine bestimmte Aufgabe brauchen – ohne daraus dauerhaft eine feste Stelle machen zu müssen.

Interim Management ist also nicht nur dann sinnvoll, wenn es dringend ist. Es ist vor allem dann sinnvoll, wenn Aufgabe, Zeitraum und Verantwortung klar begrenzt sind.

Gibt es Situationen, in denen Interim Management nicht die richtige Lösung ist?

Ja. Wenn der Bedarf langfristig und strategisch dauerhaft besteht, kann eine Festanstellung sinnvoller sein. Auch wenn die Aufgabe noch völlig unklar ist und zunächst nur eine grobe Analyse benötigt wird, kann Beratung der bessere erste Schritt sein.

Interim Management ist dann stark, wenn Verantwortung übernommen werden muss. Also nicht nur: Was sollte getan werden? Sondern: Wer setzt es um?

Wie können Unternehmen die Kosten vorab besser einschätzen?

Durch eine saubere Mandatsklärung. Vor dem Start sollten Ziel, Rolle, Dauer, Auslastung, Entscheidungsspielraum und erwartete Ergebnisse möglichst klar definiert werden.

Je klarer das Mandat, desto besser lässt sich einschätzen, welches Profil gebraucht wird und welcher Tagessatz angemessen ist. Nicht immer ist das teuerste Profil das richtige. Aber das günstigste Profil ist selten die beste Lösung, wenn die Situation komplex ist.

Worauf sollten Unternehmen bei der Bewertung achten?

Nicht nur auf den Tagessatz. Entscheidend sind Passung, Erfahrung und Geschwindigkeit.

Ein Interim Manager, der die Situation kennt, schnell akzeptiert wird und die richtigen Entscheidungen vorbereitet, kann ein Unternehmen deutlich schneller entlasten als ein günstigeres Profil, das fachlich oder kulturell nicht passt.

Deshalb ist die Auswahl so wichtig. Interim Management rechnet sich nicht automatisch. Es rechnet sich, wenn Aufgabe, Profil und Timing zusammenpassen.

Was ist Ihr Fazit?

Interim Management ist keine günstige Ressource. Aber es kann eine sehr wirtschaftliche Lösung sein.

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